Der Musiksaal in Basel: Ausstellung im Museum Kleines Klingental vom 20. Mai 2017 bis 4. Februar 2018

Der Musiksaal in Basel wurde 1876 eröffnet. Von ausgezeichneter akustischer Qualität, repräsentiert der Musiksaal einen der wenigen weitgehend original erhaltenen Konzertsäle aus der Entstehungszeit. Der Basler Konzertsaal ist insofern mit dem Grossen Musikver-einssaal (1870) in Wien und dem Concertgebouw (1888) in Amsterdam vergleichbar. Mitte Juli 2016 ist die von Herzog & de Meuron geplante Erweiterung des Basler Musiksaals an-gelaufen. Die Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt nimmt das zum Anlass, im Museum Kleines Klingental auf die Geschichte des Bauwerks, seinen städtebaulichen Kontext und seine Bespielung einzugehen.

Das zeittypische Bedürfnis nach repräsentativen Bauten zur Pflege gesellschaftlicher und kultureller Aktivitäten hatte sich zu Ende des 19. Jahrhunderts in Basel in einem Kulturzentrum manifestiert. Die Kulturbauten konzentrierten sich an zentraler Stadtlage am Steinenberg: Casino (1824-1826) und Musiksaal (1874‐1876), Theater (1873-1875), Kunsthalle (1869-1872) und Skulpturenhalle (1886/87). Das Ensemble am Steinenberg ist das visionäre stadtplanerische Werk des Architekten Johann Jakob Stehlin. Die Exklusivität des Musiksaals beruht auf seinen grosszügigen und harmonischen Dimensionen und auf der ausgezeichneten Akustik.

Die Dokumentation des originalen Bauwerks ermöglichen vornehmlich Planzeichnungen, Detail-studien und Skizzen aus dem Staatsarchiv Basel‐Stadt. Die meisten Originale werden erstmals öffentlich gezeigt. Der Musiksaal ermöglichte der 1876 gegründeten Allgemeinen Musik-Gesellschaft Basel die Ausbildung eines öffentlichen Konzertbetriebs von international geachtetem Standard. Das Publikum kam in den Genuss von Alter Musik, Klassik, Zeitgenössischen Kompositionen und erlebte zahlreiche Uraufführungen sowie Auftritte berühmter Solisten und namhafter Klangkörper. Der legendäre Begriff „Musikstadt Basel“ ist untrennbar mit dem Musiksaal verbunden. Hier fanden während gut hundert Jahren auch unzählige andere Anlässe statt. Aufwendig inszenierte Bälle bildeten gesellschaftliche Ereignisse der lokalen Agenda. Die erste Gewerbeausstellung 1877 war als Vorläuferin der Mustermesse von nationaler Bedeutung. Der erste Zionistenkongress 1897, dem weitere folgten, verlieh Basel internationale Ausstrahlung.

Modernisierungsbestrebungen ab 1930 brachten Eingriffe in die Architektur des Musiksaals mit sich und bewirkten Veränderungen im städtebaulich imposanten Ensemble der Kulturbauten am Steinenberg: Erstmals 1939 mit der Errichtung des Stadtcasinos anstelle des ursprünglichen Casinos von Melchior Berri; letztmals mit der Sprengung des Stehlin’schen Theaters 1975 und der Erstellung des heutigen Stadttheaters mit Theater(vor)platz. Eine neue Dimension werden der Musiksaal und sein städtebauliches Umfeld nun mit dem Erweiterungsprojekt von Herzog & de Meuron gewinnen.

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